Gesundheit

Autor: RD Book

Diabetes: Operation statt Pillen und Insulin?

Die DMR-Therapie kann den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen und auch das Körpergewicht reduzieren.

Symbolfoto: eine Frau misst den Zuckerwert ihres Blutes mit einem roten Gerät, daneben liegen Pillen

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©iStockphotos.com / Artico

Immer mehr Menschen erkranken an Diabetes Typ 2, allein in Deutschland sind es inzwischen fast neun Millionen. Sie sind auf Medikamente oder regelmäßige Insulinspritzen angewiesen, um ihren Zuckerstoffwechsel zu regulieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Eine neuartige endoskopische Therapie könnte den Alltag der Betroffenen erleichtern.
Die neue Methode, Duodenal Mucosal Resurfacing (DMR) genannt, beruht auf einer Oberflächenerneuerung der Zwölffingerdarmschleimhaut. Dazu schluckt der Patient einen Ballonkatheter, der über einen Führungsdraht bis in den hinter dem Magen liegenden Zwölffingerdarm vorgeschoben wird. Dort wird die Schleimhaut durch Kochsalzinjektionen angehoben und mit 90 °C heißem Wasser aus dem Ballon verödet. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten und wird in leichter Narkose durchgeführt.

Ziel der Verödung ist es, die bei Diabetikern oft stark verdickte Darmschleimhaut nach einer kurzen Regenerationsphase wieder zu verdünnen. Damit verbunden ist eine Verbesserung ihrer Durchlässigkeitsfunktion für Darmhormone, die an der Regulation des Zuckerstoffwechsels beteiligt sind. Dadurch kann sich der Zuckerstoffwechsel wieder normalisieren, und die Patienten nehmen ab. In zwei klinischen Studien, REVITA-1 und -2, mit medikamentös schlecht eingestellten Typ- 2-Diabetikern konnte eine Senkung des Langzeitblutzuckerwertes von 8,5 auf 7,5 % nachgewiesen werden, die bei gezielter Ernährungsumstellung über zwei Jahre erhalten blieb.

Das endoskopische DMR-Verfahren stellt eine neue Therapieoption für Diabetespatienten in Aussicht, insbesondere wenn deren Stoffwechsel mit Medikamenten und/oder Insulinspritzen nur schlecht eingestellt werden kann. Die Methode stößt aber auch auf Kritik. So urteilt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: „Die Verbesserung der Blutzuckerwerte stellt gegenüber dem Risiko einer Darmperforation keinen relevanten Nutzen dar.“ Zurzeit laufen in Deutschland und den USA weitere, größer angelegte Studien zur Validierung der DMR-Methode.

Die DMR-Therapie wird in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, aber bisher nur an wenigen Kliniken angeboten, z. B. in Düsseldorf, Freiburg und München.