Gesundheit

Autor: Reader's Digest Book

Grüne Umgebung stabilisiert die Seele

Lärm, Hitze, viele Menschen und grauer Beton – dicht bebaute Städte sind kein besonders gesunder Ort. Wer in der Stadt geboren und aufgewachsen ist, lebt mit einem deutlich höheren Risiko, an Depressionen oder Schizophrenie zu erkranken, haben verschiedene Studien gezeigt. 

Eine junge Frau mit einem Hund steht auf einem Holzsteg an einem See und blickt auf die umgebenden Berge

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©iStockphoto.com / Kerkez

Früher vermutete man als Ursache, dass es vor allem psychisch kranke Menschen häufiger in die Großstadt zieht als andere. Diese These ist inzwischen widerlegt. Enge Bebauung und versiegelte Flächen scheinen tatsächlich manche Personen krank zu machen. Auch die erhöhte Luftverschmutzung spielt eine Rolle.

Doch warum geht es Menschen in Großstädten psychisch schlechter?

Zum einen spielt der soziale Stress eine Rolle: In dicht besiedelten Gebieten begegnet man täglich sehr vielen Menschen, von denen man die wenigsten kennt. Das belastet die Psyche mehr als die Situation in einer Kleinstadt oder einem Dorf. Hier begegnet man im Alltag nur wenigen, von denen man die meisten kennt und hier ergeben sich häufiger positive soziale Kontakte. Außerdem profitiert die Seele von grüner Natur, wie Studien zeigen – und davon gibt es in Großstädten eher zu wenig.

Dabei können schon vergleichsweise kleine Veränderungen große Wirkung zeigen, wie Experten beschreiben: Mehr Parks und Grünflächen, die zum Verweilen einladen, sowie mehr Begrünung an den Häusern in den Städten wirken bereits psychisch stabilisierend. Schon der regelmäßige Blick aus dem Fenster auf einen großen Baum tut gut, auch wenn das reale Erlebnis eines Waldspaziergangs natürlich wirksamer ist. Auch häufigere kleine Ausflüge an den grünen Stadtrand sind hilfreich. Studien zeigen, dass Menschen sich umso wohler fühlen, je öfter sie sich in Wiesen, Wäldern, am Wasser, in Gärten oder Parks aufhalten, und dass es den meisten in Kleinstädten besser geht als in Ballungsräumen.
Der Aufenthalt im Grünen wirkt wie eine Art Meditation: Durch die Konzentration auf die Umgebung verschwinden grüblerische oder belastende Gedanken. Besonders ängstlichen und emotional labilen Menschen tut die Natur gut, was sich auch in positiven Veränderungen bestimmter Hirnareale widerspiegelt, wie Studien zeigen.

Und noch etwas zeichnet große Parks und begrünte Fassaden in Städten aus: Sie kühlen ihre Umgebung. Denn mit dem Klimawandel steigen die Temperaturen gerade in den Städten. Kühle, frische Luft im Grünen entspannt fast alle Menschen, besonders aber Menschen mit psychischen Erkrankungen. Studien zeigen, dass Angststörungen, Depressionen und ähnliche Erkrankungen mit jedem Grad Erderwärmung leicht zunehmen. Außerdem macht Hitze viele Menschen aggressiver, vor allem psychisch labile. Und unter den jährlichen Hitzetoten sind auffällig viele psychisch kranke Menschen; sie scheinen besonders empfindlich auf hohe Temperaturen zu reagieren.