Hörsturz behandeln: Weniger Kortison bringt oft mehr
Bei plötzlichem Hörverlust mit Ohrgeräuschen galt eine hochdosierte Kortisontherapie als Standard. Neue Studien zeigen: Eine niedrigere Dosis kann die bessere Wahl sein.
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Ein plötzlicher Hörsturz auf einem Ohr, oft verbunden mit einem unerträglichen Pfeifen – einen Hörsturz erleiden in Deutschland jährlich etwa 100.000 bis 150.000 Menschen. Ursache ist eine Schädigung des Innenohrs, also der Sinneszellen im Ohr, und der Nervenfasern, die zum Gehirn führen. Manche Patienten erholen sich von selbst, doch die Behandlung für die übrigen Betroffenen ist schwierig. Experten schlagen nun eine veränderte Therapie vor.
Auch wenn es bekannte Ursachen für eine akute Hörminderung gibt, z. B. einen Tumor oder Infekt im Bereich des Ohrs, bleibt die Ursache eines „echten“ Hörsturzes oft unklar. In solchen Fällen werden seit Langem Kortisonpräparate verschrieben, viele Experten empfehlen sogar sehr hohe Dosen – obwohl es für ein solches Vorgehen kaum Belege aus Studien gibt. In der neuen „Hodokort-Studie“ erhielten rund 300 Patienten etwa sieben Tage nach ihrem schweren Hörsturz entweder eine hohe Kortisondosis als Infusion oder Tablette oder eine deutlich niedrigere Dosis als Tablette.
In den folgenden 30 Tagen schnitten die Patienten, die mit einer niedrigeren Dosis behandelt wurden, sowohl beim Hörvermögen als auch beim Sprachverstehen deutlich besser ab als die Vergleichsgruppe. Insgesamt empfehlen die Autoren der Studie, einen leichten bis mittelschweren Hörsturz über einige Tage mit 60 mg Prednisolon (Kortison in eher niedriger Dosierung) zu behandeln.
Ein schwerer Hörsturz sollte im Rahmen von Studien behandelt werden. Hilft diese Therapie nicht, gibt es die Möglichkeit, Kortison direkt ins Innenohr zu applizieren – in schweren Fällen kann diese Behandlung auch mit der Gabe von Tabletten kombiniert werden.
„Wir konnten nicht zeigen, dass mehr besser ist, sondern wahrscheinlich sogar schlechter“, schließt der Erstautor der Studie Prof. Stefan K. Plontke aus Halle in Bezug auf die Dosis des Kortisons. Die Forscher planen, in einer weiteren Studie zu prüfen, ob eine sehr niedrige Kortisondosis noch sinnvoller ist.





