Nahrungsmittelallergie bei Kindern: Omalizumab könnte helfen
Nicht wenige Kinder reagieren auf mehrere Nahrungsmittel allergisch. Ein neues Medikament macht Hoffnung.
©
Für Kinder, die von einer Nahrungsmittelallergie betroffen sind – allein in den USA sind das bis zu 8 % aller Kinder und Jugendlichen – gibt es ebenso wie für Erwachsene kaum eine Therapie, die die Allergie selbst bekämpft oder spezifisch wirkt. Die Betroffenen müssen im Alltag aufpassen, dass sie nicht versehentlich „ihr“ Allergen verzehren, und müssen für den Notfall eine entsprechende Medikation bei sich tragen. Solche Notfälle – und erst recht lebensbedrohliche Situationen – sind zwar zum Glück recht selten, aber belastend sind natürlich bereits die Angst davor und die gebotene Vorsicht im Alltag. Nur im Fall einer Erdnussallergie ist inzwischen eine orale Immuntherapie verfügbar, die allerdings aufwendig durchzuführen ist und relativ oft zu Nebenwirkungen führt. Besondere Probleme haben die Kinder, die gleich gegen mehrere Nahrungsmittel allergisch sind – was recht häufig vorkommt.
Möglicherweise aber zeichnet sich hier eine neue Option ab: Derzeit läuft eine Studie, in der die Wirkung eines bereits bekannten, bei manchen Allergien eingesetzten Medikaments auch bei Kindern mit mehrfacher Nahrungsmittelallergie getestet wird. Erste Ergebnisse sind recht vielversprechend; Experten sind sehr gespannt. Omalizumab ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper, der gegen bestimmte Botenstoffe (Immunglobulin E, IgE) des Immunsystems gerichtet ist und deren Wirkung blockiert. IgE wird bei Personen mit einer Allergie vermehrt produziert und ist ein entscheidender Botenstoff bei der Entwicklung einer allergischen Reaktion. Omalizumab kann erwiesenermaßen eine allergische Reaktion abmildern, wenn ein Kind „sein“ Allergen beispielsweise im Rahmen von Tests zur Diagnostik einer vermuteten Allergie erhält.
Offenbar kann die regelmäßige Gabe von Omalizumab aber auch dafür sorgen, dass Kinder mit einer Allergie gegen Erdnüsse und zusätzlich mindestens zwei weitere Nahrungsmittel nach einem Jahr deutlich größere Mengen dieser Nahrungsmittel problemlos vertragen – was bereits eine große Erleichterung bedeutet. In einer Studie zeigte sich diese Wirkung immerhin bei zwei Drittel der behandelten Kinder. In den USA ist Omalizumab zu diesem Zweck bereits erlaubt; in Europa zögert man derzeit noch mit der Zulassung.
Die Therapie ist momentan noch sehr kostspielig, und der Anteil derer, bei denen sie nicht wirkt, ist mit einem Drittel verhältnismäßig hoch. Nach Publikation dieser ersten Ergebnisse läuft die Studie aber derzeit noch weiter; die Diskussion erhält also bald neue Argumente.





