Gesundheit

Autor: Rebecca Gao

Starke Zunahme der Kurzsichtigkeit

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird bis 2050 etwa die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein. Es ist unbestritten, dass unsere Sehkraft immer weiter abnimmt, aber die Forscher beginnen erst jetzt zu verstehen, warum.
Eine junge Frau ist kurzsichtig und schiebt ihre Brille auf die Stirn, um besser sehen zu können.

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©iStockphoto.com / Jacob Wackerhausen

Myopie, Kurzsichtigkeit – also das unscharfe Sehen in der Ferne –, ist in der Regel ein Kindheitsphänomen. Es tritt auf, wenn der Augapfel von vorn nach hinten zu lang wird und eher eine ovale als eine kugelförmige Form annimmt. „Die Augen haben eine Art Stoppsignal, damit sie proportional zum Kopf wachsen“, erklärt Gregory Schwartz, außerordentlicher Professor für Augenheilkunde und Neurowissenschaften an der Northwestern University in Chicago, USA.
Das Signal kann jedoch durch genetische und umweltbedingte Faktoren gestört werden. In der Konsequenz wachsen unsere Augäpfel weiter und werden zu groß für die Linse und die Hornhaut, die für die Fokussierung der Sicht verantwortlich sind. Diese Diskrepanz führt dazu, dass weit entfernte Objekte unscharf erscheinen. Obwohl wir gern Bildschirme für die Kurzsichtigkeit verantwortlich machen, glauben Experten nicht, dass deren zunehmende Nutzung der Grund dafür ist, sondern die Tatsache, dass wir weniger Zeit im Freien verbringen. „Natürliches Licht ist für eine gesunde Entwicklung der Augen unerlässlich“, so Schwartz. Eine 2017 in JAMA Ophthalmology veröffentlichte Studie fand einen Zusammenhang zwischen erhöhter UVB-Exposition und einem Rückgang der Kurzsichtigkeit, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen. Natürliches Licht stimuliert Dopamin in der Netzhaut, das Wachstum und Entwicklung des Augapfels reguliert. Beleuchtung in Innenräumen reicht dafür nicht aus. Idealerweise sollten Kinder mindestens zwei Stunden am Tag natür­lichem Licht ausgesetzt sein.

 


Die wachsende Nutzung von Bildschirmen birgt aber auch ein direktes Problem.

Meist sind sie sehr kontrast­reich – schwarzer Text auf weißem Hintergrund oder heller Text auf dunklem. Einige Wissenschaftler glauben, dass der Kontrast beim Betrachten eines hellen Bildschirms in einem dunklen Raum unsere Netzhäute überreizt, was bei Kindern zu einem verstärkten Wachstum des Augapfels führen kann. Eine Studie aus dem Jahr 2018, in Scientific Records veröffentlicht, stellte fest, dass der Kontrast von schwarzem Text auf weißem Hintergrund die Kurzsichtigkeit fördern könnte. Auch Arbeiten im Nahbereich (Buch lesen, Bildschirm genau betrachten) kann nachweislich Kurzsichtigkeit begünstigen.

Forscher suchen nach Wegen, die zunehmende Myopie aufzuhalten.

Eine klinische Studie der Ohio State University, USA, ergab, dass Augentropfen mit einer niedrigen Dosis Atropin Kurz-sichtigkeit bei Kindern bremsen können. Es gibt auch erste Hinweise darauf, dass Kontaktlinsen und Brillengläser mit sogenannter peripherer defokus­sierender Funktion helfen könnten. Bei den meisten Menschen stabilisiert sich die Sehkraft im Teenageralter, andere entwickeln die Myopie aber erst später im Leben, in der Regel im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Sie kann sich durch Kopfschmerzen, Überanstrengung der Augen sowie Müdigkeit bei bestimmten Tätigkeiten wie Autofahren oder Sporttreiben äußern.

Kurzsichtige sehen nicht nur unscharf.

Sie haben auch ein höheres Risiko, im Alter Augenprobleme wie Glaukom, frühen grauen Star und Makuladegeneration zu entwickeln. Deshalb sind regelmäßige Augen­untersuchungen so wichtig. Sie können Ihre Augen auch durch einige einfache Änderungen Ihres Lebensstils entlasten, etwa indem Sie sicherstellen, dass Sie bei gutem Licht lesen oder arbeiten (weiches Hintergrundlicht und eine Arbeitsleuchte), blendfreie Bildschirme für Ihren Computer oder Fernseher wählen und häufig Pausen einlegen.
„Wenn wir lange auf einen Bildschirm schauen, sinkt unsere Blinzelrate von den typischen 18-mal pro Minute auf sechs- bis achtmal pro Minute. Das führt zu trockenen Augen und Irritationen“, erklärt Yuna Rapoport. Die Augenärztin empfiehlt, während der Arbeit am Computer alle 20 Minuten für 20 Sekunden etwa sechs Meter in die Ferne zu blicken. Trockene Augen und Reizungen können außerdem mit rezeptfreien Tropfen und Salben oder mit verschreibungspflichtigen Medi­kamenten behandelt werden.