Gesundheit

Autor: RD Book

Vitamin-B12-Mangel: Symptome früh erkennen und richtig behandeln

Vitamin-B12-Mangel bleibt häufig unentdeckt, da die Symptome oft unspezifisch sind. Woran sich ein Mangel erkennen lässt und wie er wirksam ausgeglichen werden kann.

Symbolfoto: auf einem dunklen Holzbrett ist aus kleinen pinkfarbenen Pillen der Begriff

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©iStockphotos.com / NatchaS

Vitamin B12 (Cobalamin) gehört zu den Nährstoffen, bei denen ein Mangel weit verbreitet ist. Ursachen sind unter anderem eine unzureichende Zufuhr, zum Beispiel durch eine rein pflanzliche Ernährung, sowie bestimmte Erkrankungen und Medikamente, die die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm hemmen.

Besonders häufig tritt ein B12-Mangel im höheren Lebensalter auf: Etwa jeder Vierte über 65 Jahre ist betroffen. Ein Forscherteam des University Medical Center Groningen hat medizinische Datenbanken zum Thema ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass ein Vitamin-B12-Mangel in der medizinischen Versorgung häufig zu spät diagnostiziert wird.

Warum ein B12-Mangel oft übersehen wird

Der Studie zufolge gehen viele Ärzte davon aus, dass sich ein Vitamin-B12-Mangel immer in Blutwerten zeigt, die auf eine Blutarmut (Anämie) hindeuten, etwa im Hämoglobinwert. Dies ist jedoch nur bei rund 20 % der Betroffenen der Fall, so die Autoren. Stattdessen äußert sich ein B12-Mangel häufig zunächst durch kognitive, psychische oder neurologische Symptome, wie zum Beispiel:

  • Vergesslichkeit

  • Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten

  • Kopfschmerzen

  • Schlaflosigkeit

  • Stimmungsschwankungen oder Depressionen

  • Taubheitsgefühle

  • Müdigkeit

  • Muskelschwäche

Diagnostik: Welche Blutwerte sind sinnvoll?

Aus diesem Grund sollte der Vitamin-B12-Spiegel im Blut gezielt bestimmt werden. Dafür stehen mehrere Messmethoden zur Verfügung.

Am gebräuchlichsten ist die Messung des Gesamt-Vitamin-B12 im Blutserum. Der untere Grenzwert liegt bei 200 ng/l bzw. 148 pmol/l. Wird dieser Wert unterschritten und liegen Begleitsymptome vor, ist eine Therapie erforderlich. In vielen Fällen ist dieser Wert allein jedoch nicht ausreichend aussagekräftig.

Als alternativer Messwert bietet sich Holo-Transcobalamin II (Holo-TC) an. Dabei handelt es sich um das Transportprotein für Vitamin B12 im Blut, das einen frühen Hinweis auf die Versorgung der Körperzellen gibt.

Der empfindlichste Marker für die Vitamin-B12-Versorgung ist die Methylmalonsäure (MMA), die sich bei einem Mangel im Körper anreichert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher die Bestimmung der MMA in Kombination mit Gesamt-Vitamin-B12 oder Holo-TC.

Therapie: So lässt sich ein B12-Mangel beheben

Um einen Vitamin-B12-Mangel auszugleichen, reicht in den meisten Fällen die Einnahme von hochdosierten Vitamin-B12-Tabletten oder -Kapseln aus. Selbst bei krankheitsbedingten Aufnahmestörungen kann eine orale Supplementierung wirksam sein.

Nach den Ergebnissen einer placebokontrollierten Studie können beispielsweise 1 mg Vitamin B12 pro Tag zu einer Normalisierung der Blutwerte und zu einer deutlichen Reduktion neurologischer Beschwerden führen. In dieser hohen Dosierung kann ausreichend Vitamin B12 über Diffusionsprozesse – und damit unabhängig vom Intrinsic Factor, einem für die aktive Aufnahme notwendigen Protein aus dem Magen – in die Blutbahn gelangen.

Verbessern sich die Blutwerte trotz hochdosierter Einnahme nicht oder bleiben die Beschwerden bestehen, kann eine versuchsweise intramuskuläre Injektion des Vitamins sinnvoll sein. Ohne vorherige Abklärung der Blutwerte sollten jedoch keine regelmäßigen Vitamin-B12-Spritzen verabreicht werden, da dauerhaft zu hohe B12-Werte mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen können.

Früh handeln lohnt sich

Ein Vitamin-B12-Mangel entwickelt sich häufig über Jahre. Wird er nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann es ebenfalls Jahre dauern, bis sich neurologische Symptome wieder vollständig zurückbilden. Umso wichtiger ist es, einen Mangel frühzeitig zu erkennen und auszugleichen – selbst dann, wenn erste Anzeichen wie Müdigkeit oder schnelle Erschöpfung zunächst harmlos erscheinen.

Besonders gefährdete Personengruppen wie Diabetiker oder Veganer sollten regelmäßig Vitamin-B12-Tabletten einnehmen, zum Beispiel 20 bis 50 µg pro Tag. Dies gilt auch bei einer dauerhaften Einnahme von Medikamenten wie Metformin oder Protonenpumpenhemmern, die die aktive Aufnahme von Vitamin B12 im Darm beeinträchtigen können.