Gesundheit

Autor: Cornelia Krappel

Vitamin D gegen Harninkontinenz

Die Einnahme von Vitamin D kann bei Frauen nach den Wechseljahren die Beschwerden durch Harninkontinenz und nächtlichen Harndrang deutlich verringern. 

Eine schöne junge Frau öffnet den Mund, um eine Pille mit Vitamin D zu schlucken.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine placebokontrollierte Studie aus dem Iran. Wissenschaftler der Shahid Beheshti Universität in Teheran untersuchten 97 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren, die unter Dranginkontinenz oder Nykturie litten. Bei allen Frauen lagen die Vitamin-D-Spiegel im Blut im Mangelbereich. Die Hälfte der Teilnehmerinnen erhielt über einen Zeitraum von acht Wochen wöchentlich 50 000 I. E. Vitamin D, die andere Hälfte ein Placebopräparat.
In der Studiengruppe mit Vitamin- D-Supplementierung stiegen zum einen die Vitamin-D-Blutspiegel deutlich stärker an als in der Placebogruppe, gleichzeitig waren sowohl der Schweregrad der Harninkontinenz als auch die Häufigkeit der Nykturie in der Vitamin-DGruppe reduziert. Die Frauen berichteten über eine Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Eine positive Wirkung von Vitamin D auf den Harntrakt wird seit Langem vermutet. Zudem wird mit zunehmendem Alter, insbesondere bei Frauen nach der Menopause, häufig ein Vitamin-D-Mangel beobachtet. Die Syntheseleistung der Haut für die Vitaminvorstufe nimmt ab, ebenso die Umwandlung in die aktive Vitamin- D-Form durch Leber und Niere. Nach heutiger Einschätzung sollte die Vitamin-D-Konzentration im Blut mindestens 30 ng/ml betragen. Die Abklärung eines Vitamin-D-Mangels mit anschließender Supplementierung könnte daher eine vielversprechende und gut verträgliche Therapieoption für Frauen nach den Wechseljahren mit Blasenbeschwerden darstellen. 

Unzureichende Versorgung durch Hausarzt

In Hausarztpraxen erfolgt die Diagnostik und Therapie der weiblichen Harninkontinenz häufig nicht leitliniengerecht, so eine Übersichtsarbeit der Universität Ottawa mit Studien aus sieben verschiedenen Ländern. Demnach erhält weniger als die Hälfte der Betroffenen eine adäquate Behandlung. Empfohlen werden eine Bauchuntersuchung, eine Urinanalyse, die Beurteilung der Beckenbodenmuskulatur und Empfehlungen zu deren Training, Lebensstiländerungen sowie gegebenenfalls Medikamente und vaginale Östrogene.

Hohe Kosten durch Inkontinenz

Fast 60 Millionen Europäer leiden an Harninkontinenz. Studien über die wirtschaftliche Belastung durch diese Erkrankung zeigen, dass sich die Kosten für die Behandlung im Jahr 2023 europaweit auf über 40 Milliarden Euro beliefen, so die European Association of Urology. Die Kosten umfassen die Auswirkungen der Inkontinenz auf die Gesundheit des Einzelnen, medizinische Beratung und Hilfsmittel, Fehlzeiten am Arbeitsplatz, Einweisungen in Pflegeheime und Umweltbelastungen. Daher werden gezieltere Maßnahmen zur Bekämpfung der Inkontinenz gefordert.