Körper und Psyche

Autor: Reader's Digest / CKR

Warum Menschen in der Adventszeit gerne Gutes tun

Die Adventszeit gilt als die „Zeit der Nächstenliebe“. Doch warum ist das so? Und was fühlen wir eigentlich, wenn wir Gutes tun?

Glas mit Münzen steht auf einem Holztisch. Im Hintergrund eine Lichterkette mit warmem Licht.
Vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit wollen viele Menschen Gutes tun und spenden besonders viel für gemeinnützige Einrichtungen.

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©iStockphoto.com / CatLane

Das gute Gefühl, gebraucht zu werden

Helfen hat gerade zur Weihnachtszeit eine stark symbolische Bedeutung: Das Bewusstsein für gemeinsam geteilte Werte ist stärker, wenn das Fest der Nächstenliebe naht. Ob wir helfen, hängt eng mit unseren inneren Werten zusammen. Für manche ist Nächstenliebe Teil ihrer Identität, andere lassen sich durch die Atmosphäre anstecken oder durch Vorbilder inspirieren. Wer das Leid oder die Bedürftigkeit anderer wahrnimmt, reagiert mit Mitgefühl, und dieses motiviert zu helfen. Solche Empathie wirkt als Brücke zwischen anderen und dem Ich. Es ist oft gekoppelt an den dringenden Wunsch, einem negativen Gefühl (z. B. Mitleid, Schuld) entgegenzuwirken, um sich danach besser zu fühlen. 
Wenn Menschen anderen helfen, haben sie zudem meist die außerordentlich positive Empfindung, etwas Sinnvolles zu tun. Psychologisch gesehen aktiviert das Helfen also unser Belohnungssystem: Wir haben das Gefühl, etwas bewirken zu können. Und wir fühlen uns glücklich, weil wir spüren, dass unser Handeln eine positive Wirkung hat. Diese Erfahrung von Wirksamkeit ist zentral für psychologische Zufriedenheit: Man sieht, dass das eigene Verhalten etwas zum Positiven verändert – das kann das eigene Selbstbild und Selbstbewusstsein stärken. Das warme Zufriedenheitsgefühl nach einer guten Tat wird auch als Helper’s High bezeichnet. Zur Weihnachtszeit, wenn besonders viele Menschen über ihr Leben und Handeln nachdenken, verstärkt sich bei ihnen der Wunsch, Gutes zu tun und solchermaßen Zufriedenheit zu empfinden. 

  

Helfen als Spiegel unserer Werte und Normen

Hilfe und Großzügigkeit sind zusätzlich stark durch soziale Normen geprägt. In vielen Gesellschaften und Kulturen gibt es zur Weihnachtszeit erhöhte Erwartungen in Gruppen, der Gemeinde oder sozialen Kreisen, Gutes für andere zu tun. Die Menschen übernehmen diese Normen, um sich zugehörig zu fühlen: Wir sind eben doch Herdentiere. Manche helfen also vor allem deshalb, weil sie eine Rolle oder Verpflichtung spüren: religiös, moralisch, gesellschaftlich. Zusätzliche Erwartungen durch Familie, Institutionen oder Medien können das Bedürfnis zu Helfen verstärken.
Letztlich ist die Entscheidung, Gutes zu tun, immer eng mit unseren individuellen Werten verbunden. Menschen, die Hilfsbereitschaft als Teil ihrer Identität sehen, fühlen sich fast verpflichtet, zu spenden. Andere hingegen folgen dem Beispiel von Familie, Freunden, bekannten Persönlichkeiten oder ihrem Lieblings-Influencer. Wieder andere lassen sich von der weihnachtlichen Stimmung anstecken.

  

Wie viel spenden die Deutschen und wofür?

Laut dem Spendenmonitor 2024 (Deutscher Fundraising Verband / Bonsai Public) werden private Spenden in Deutschland für 2024 auf ca. sechs Milliarden Euro geschätzt – das sind etwa 200 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der Anteil derjenigen, die in Deutschland privat spenden, stieg leicht: 2024 gaben 50,2 % der Bevölkerung an, private Spenden zu tätigen (2023: etwa 48,6 %). Jüngere Menschen (insbesondere Gen Y, geboren etwa 1980–1995) haben ihre Spendenbeteiligung innerhalb von einem Jahr sogar von 46 % auf 52 % erhöht. Der durchschnittliche Spendenbetrag pro Person lag 2024 bei 174 Euro, etwa 4 Euro mehr als im Vorjahr.
Die Kinder- und Jugendhilfe führt mit etwa 28 % der erhaltenen Spenden in Deutschland das Ranking der beliebtesten Zwecke an, gefolgt von Soforthilfe/Notlagen und Tierschutz. Laut Statistik-Portal statista.com (Studie „Spendenaufkommen in Deutschland nach Monaten im Jahr 2024“) wies der Dezember auch im Jahr 2024 die höchsten Spendenraten auf.

Warum nicht alle helfen

Es gibt eine lange Spenden-Tradition, doch ehrlicherweise muss man auch sagen: Nicht jeder empfindet diesen Impuls. Manche sind durch eigene Sorgen und Belastungen zu sehr eingeschränkt, um für andere da sein zu können. Sie schützen sich, indem sie wegsehen. Manchmal ist der Grund Überforderung: Die Welt scheint voller Probleme, die gelöst werden müssen - wo soll man als Einzelperson bloß anfangen? Für manche spielt auch Misstrauen eine Rolle – etwa die Sorge, dass ihre Spenden nicht oder nur teilweise beim gewünschten Empfänger ankommen. 
Insgesamt jedoch ist die Hilfs- und Spendenbereitschaft in Deutschland trotz all dem hoch, besonders zur Vorweihnachtszeit.