Der Muskauer Park des Fürsten Pückler: wie gemalt
Mit seinem Muskauer Park hat Fürst Pückler einen Garten wie ein romantisches Landschaftsbild geschaffen.
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Als Pückler im Jahr 1826 mal wieder pleite war, ließ er sich – zumindest formal – von seiner Frau Lucie scheiden. Er reiste nach England, um sich eine betuchte britischen Lady zu suchen. Doch sein Ruf eilte dem Fürsten voraus, die Damenwelt war vor dem Mitgiftjäger gewarnt. So konnte er jenseits des Ärmelkanals keine Herzen erobern – dafür erhielt er durch das Besuchen von Gartenanlagen neue Inspiration für seine wahre, große Liebe: den Muskauer Park. Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) war Schriftsteller, Weltenbummler, ordengeschmückter Offizier und preußischer Partylöwe, vor allem aber „Parkomane“, wie er sich selbst bezeichnete. Ein visionärer Landschaftsarchitekt, der sich den Traum eines weitschweifigen Gartens im englischen Stil verwirklichen wollte, und zwar im Tal der Lausitzer Neiße, rings um das Muskauer Schloss, in dem er residierte. Dafür ließ er Flussarme ausheben, gusseiserne Brücken bauen und mächtige Bäume von Ochsen herankarren.
Parkpfade mäandern zu märchenhaften Gemäuern
Der Kraftakt glückte. Wer den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau besucht, betritt einen irdischen Paradiesgarten, in dem Rosen und Bitterorangenbäumchen duften, Bienen summen und Wasserfälle sprudeln. Aus schier endlos weiten Wiesenmeeren ragen riesige Bäume, Parkpfade mäandern zu märchenhaften Gemäuern und in eine bewaldete, eiszeitliche Schlucht, die ein Viadukt überspannt. Fürst Pückler schuf an seinem Geburtsort ein gärtnerisches Glanzstück, das seit 2004 zum Unesco-Welterbe zählt. Bad Muskau liegt im nordöstlichen Zipfel Sachsens, der an Brandenburg und Polen grenzt. Mehrere Parkbrücken queren die Neiße. Am linken Ufer leuchten schwarz-rot-goldene, am rechten weiß-rote Grenzpfähle: Zwei Drittel der Fläche des Muskauer Parks verlaufen auf polnischem Staatsgebiet; er gehört damit zu den seltenen grenzüberschreitenden Welterbestätten.
Im Frühjahr 1945, in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, hatte die Wehrmacht die Neißebrücken, darunter jene im Park, gesprengt, um die Rote Armee am Vormarsch zu hindern. Nach Kriegsende fielen die deutschen Gebiete östlich des Flusses an Polen, einschließlich des Parkteils. Mit dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs begannen sich die Grenzen aufzulösen, die Brücken zwischen den Völkern – und im Park – wurden repariert.
Der Muskauer Park, der in der Mitte Europas liegt, lässt sich seither wieder als Gesamtkunstwerk besuchen, ganz im Sinne seines Schöpfers, der seinen Park als „ein harmonisches Ganzes, dessen Harmonie den Sinnen schmeichelt“ beschrieb. Pücklers Parkphilosophie hob sich ab von den penibel gehegten Barockgärten, deren Wege und Formen wie mit dem Lineal gezogen wirken. Den englischen Vorbildern folgend, sollte seine Schöpfung „den Charakter der freyen Natur und der Landschaft haben, die Hand des Menschen also wenig darin sichtbar seyn“. Er überließ der Natur aber nicht die Regie, sondern wollte ein idealisiertes Abbild von ihr schaffen – ähnlich den Malern der Romantik, die sich von Urströmen, Wäldern und Gipfelblicken inspirieren ließen und diese auf der Leinwand frei arrangierten.
Pücklers Parkansichten sind wie Gemälde arrangiert
Wie die Gemälde besitzen auch Pücklers Parkansichten jeweils einen Vorder-, Mittel- und Hintergrund, dank geschickten Wegebaus und kulissen- artiger Baumgrüppchen. Damit die künstlichen Teiche und Flussarme wie in der Wildnis wirken, ließ der Fürst Wasserfälle, belaubte Inseln und schroffe Flussbiegungen gestalten. Auch die sandfarbenen Kutschwege und Fußpfade führen nicht schnurgerade, (...)
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