Zugspitz-Panorama: der Vier-Länder-Blick
Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze, bietet Fernblick und eine spannende Geschichte.
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Bis vor etwa 100 Millionen Jahren war Deutschlands höchster Berg noch komplett abgetaucht. In der damaligen Kreidezeit entstand aus Ablagerungen in der Flachwasserzone eines tropisch warmen Ozeans – inmitten einer tropischen Landschaft – Deutschlands die Zugspitze im Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen. Sie besteht aus einem ehemaligen Riff. Die kalkigen Schalen von toten Meeresbewohnern sanken zu Boden, stapelten sich allmählich zu mehrere 100 Meter hohen Schichten auf und verfestigten sich. Im Rahmen der Kontinentalverschiebung wurden sie zu den Alpen aufgetürmt und später von Eis geformt. Wer die Zugspitze erwandert, steigt über versteinerte Kalkschwämme, Korallen, Muscheln und Ammoniten.
Durch einen gewaltigen Bergsturz an Höhe verloren
Vermutlich war die Zugspitze einst ein Dreitausender. Doch dann passierte Apokalyptisches: Vor 3750 Jahren, in der Bronzezeit, brachen rund 200 Millionen Kubikmeter Gestein aus ihrer Nordflanke und donnerten ins Tal, darunter Felsblöcke, so groß wie Einfamilienhäuser. Derart gewaltig war dieser Bergsturz, dass er 100 Meter den gegenüberliegenden Hang wieder hinaufraste und das Tal mit dem Eibsee nachhaltig veränderte. Seither besitzt dieser acht Inselchen. Als Folge ist die Zugspitze auf 2962 Meter zurechtgestutzt. Mit der Erstbesteigung Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Zugspitze zum Sehnsuchtsberg: Für viele Bergwanderer ist es ein Muss, sie einmal erklommen zu haben. Heute besuchen mehr als eine halbe Million Menschen pro Jahr das Naturdenkmal. Mit der Zugspitzbahn ab Garmisch-Partenkirchen oder der Seilbahn ab Eibsee ist der Gipfel für jedermann erreichbar.
Dort oben können extreme klimatische Bedingungen herrschen. Doch wenn man einen guten Tag erwischt, wird man mit einem Vier-Länder-Panorama (Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz) und einer unfassbaren Aussicht auf 400 Bergspitzen beglückt. Das ist der Gipfel der Schönheit!
Weniger schön ist, wie der Mensch die Zugspitze, die teils in Bayern, teils im österreichischen Tirol liegt, vereinnahmt hat. Wetter- und Forschungsstationen, Sendeanlagen, Bergsteigerhütten und Gasthäuser klammern sich an ihre Flanken. Inzwischen sind die vier höchstgelegenen Gebäude Deutschlands selbst Denkmäler.
In der Sommersaison treffen sich die Gipfelstürmer scharenweise am goldenen Kreuz. Auf dem Zugspitzplatt, einer Hochfläche unterhalb des Gipfels, werden noch Gletscherführungen angeboten. Es sind Abschiedsbesuche. Die Eiswelten schmelzen unaufhaltsam dahin. Der Südliche Schneeferner ist bereits Geschichte, sein nördlicher Kollege wird in wenigen Jahren abgeschmolzen sein. Was bleibt, sind glatte Felswände und Jahrmillionen alte Falten – Lebensraum von Gämse, Murmeltier, Alpenschneehuhn, Steinadler, Alpensalamander und Apollofalter.
München und Venedig rücken zusammen
Doch wer glaubt, die Zugspitze stehe felsenfest, der irrt. Sie ist ständig in Bewegung. Weil die afrikanische Kontinentalplatte noch immer nordwärts driftet und gegen den eurasischen Kontinent drückt, werden die Alpen weiterhin zusammengeschoben und in gewaltigen Falten angehoben. Allerdings halten sich Wachstum und Erosion zur Zeit die Waage. Durch die Kontinentalverschiebung rücken München und Venedig enger zusammen. Jedes Jahr kommen sie sich einen halben Zentimeter näher. In der Mitte: die Zugspitze.
Der besondere Tipp
Das ganze Jahr über kann man eine Zugspitz-Rundreise machen: mit der Zahnradbahn ab Garmisch aufs Platt, von dort mit der Gletscherbahn auf den Gipfel. Abwärts nimmt man die Seilbahn bis Eibsee und steigt dann wieder in den Zug.






