Die "Lange Anna": Helgolands berühmter Fels
Im Nordwesten Helgolands hält die Lange Anna tapfer der Witterung stand. Eine Mauer soll sie vor Brandung und Erosion schützen.
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Im Nordwesten Helgolands hält die Lange Anna tapfer der Witterung stand. Eine Mauer soll sie vor Brandung und Erosion schützen. Wenn die satt rote Steinformation im Sonnenlicht leuchtet, wirkt sie wie eine stolze Heldin, die mutig der rauen Witterung trotzt: die Lange Anna von Helgoland.
Hier draußen, etwa 70 Kilometer vor der Nordseeküste Schleswig-Holsteins, tosen Wind und Wellen. Seit Jahrtausenden formen natürliche Kräfte dieses Stück Erde immer wieder um. Unermüdlich drückt Luft auf den weichen Buntsandstein, Wasser über- und unterspült ihn. Wie viele Male Brecher und Geröll wohl gegen die Steilküste des Eilands schlugen, bis der Brandungspfeiler entstand? Wie viele Stunden die Sonne das Gestein erhitzte und der Frost ihm in die Spalten kroch?
Einst war die Felsnadel Teil eines Brandungstors, bis dessen Bogen 1860 einbrach und der heute 47 Meter hohe Pfeiler ohne Verbindung zur Insel stehenblieb. Auf Friesisch „Nathurn Stak“ (Nordhorn-Brandungspfeiler) genannt, ist die Bezeichnung Lange Anna einer Legende zufolge auf eine große, schlanke Frau namens Anna zurückzuführen, die um 1900 in einem örtlichen Lokal bediente.
Die zerbrechliche Schönheit ist Refugium für Seevögel
Der unzugängliche Monolith befindet sich rund 60 Meter vom Ufer des Helgoländer Plateaus entfernt. Einsam ist er jedoch nicht: Unter ständigem Geschrei umrunden und bewohnen ihn Dreizehenmöwen, Basstölpel sowie Trottellummen. Auf dem offenen Meer bietet er den seltenen Seevogelarten einen willkommenen Rast- und Brutplatz. Seit 1976 leistet ihm zudem die Kurze oder Kleine Anna zwischen langer Anna und Insel Gesellschaft.
Die Verwandlung der Langen Anna, die selbst Sprengungen auf der Insel nach dem Zweiten Weltkrieg standhielt, nimmt indes schleichend ihren Lauf. 1969 zum Naturdenkmal erklärt, wurde einige Jahre später die Brandungshohlkehle im Sockel der einsturzgefährdeten Formation zugemauert. Doch der Zerfall ist unaufhaltsam, und auch ihr Gewicht von rund 25.000 Tonnen schützt die Gesteinsdame nicht. Wie lange wir sie in ihrer derzeitigen Gestalt noch bewundern dürfen, bleibt ihr Geheimnis.
Der besondere Tipp
Perspektivenwechsel: Wer die Lange Anna nicht vom Küstenrandweg des Inselplateaus aus besichtigen möchte, nähert sich ihr übers Wasser. Verschiedene Unternehmen bieten Bootsfahrten mit herrlichem Blick auf die majestätische Felsnadel an.






