Höhepunkte im Berchtesgadener Land
Der Königssee und ein königlicher Berg sind die Hauptattraktionen im Berchtesgadener Land. In den Seitentälern findet man Ruhe und zauberhafte Natur.
©
Es muss Gesteinsbrocken geregnet haben in jenen Tagen, als der Berg seinen Halt verlor. 15 Millionen Kubikmeter Fels donnerten den Hang hinunter und blieben am Ufer der Ramsauer Ache liegen. 3500 Jahre ist das her. Eine Naturkatastrophe mit ganz wunderbaren Langzeitfolgen. Auf den Felsbrocken wuchs ein Naturwald heran. Wurzeln umklammern den weißen Kalkstein, bilden knorrige Holzbrücken zwischen den Gesteinsriesen. Tosend schießt das Wasser der Ramsauer Ache den Hang hinunter. Die Uferbäume sind von Moosen überzogen, in den Felsnischen gedeihen Alpenrebe, Geißbart und Goldrute.
„Zauberwald“ heißt dieses malerische Stück Bergwald in der Nähe des Hintersees bei Ramsau. Ein mehr als 100 Jahre alter Naturlehrpfad führt durch die Landschaft, die nach frischem Waldboden und aufgewühltem Flusssand riecht. Am Ufer kann man die Beine ins kühle Wasser halten. Hintersee und Zauberwald liegen im Westen des Berchtesgadener Lands, das den äußersten südöstlichen Zipfel der Bundesrepublik bildet. Eingerahmt von den bayerischen Hochalpen ragt das beliebte Reiseziel wie eine Halbinsel ins Nachbarland Österreich hinein. Nach Salzburg ist es von hier nur ein Katzensprung.
Wahrzeichen des Berchtesgadener Lands ist der Watzmann, der höchste Berg, der komplett auf deutschem Boden liegt. Nina Schlesener hat ihn schon Hunderte Male bestiegen. Selbst die gefährliche Ostwand gehört zum Alltag der 39-jährigen Bergführerin – die einzige staatlich geprüfte im Berchtesgadener Land. Am liebsten führt sie Frauengruppen: „Die sind entspannter, müssen sich nicht ständig etwas beweisen.“ Als Tochter eines Almhüttenwirts wuchs sie in den Bergen auf. Bei ihrer ersten Watzmann-Überquerung bekam sie es dennoch mit der Angst zu tun: „Ich wäre fast gestorben“, erinnert sie sich. 15 Jahre alt war sie damals. Doch als sie es geschafft hatte, wusste sie: „Das ist meine Zukunft.“
Majestätisch auf ihrem Alpenthron: die Watzmanns
Seitdem ruft der Watzmann sie regelmäßig. Mit der Ausweisung zum Nationalpark 1978 konnte der Bau von Bergbahnen dort verhindert werden. Auch die Ostwand blieb davon unberührt. Sie ist die größte Herausforderung. „Es gibt dort keine markierten Wege“, sagt Nina Schlesener, und so nimmt sie nur Einzelpersonen mit in die höchste Steilwand der Ostalpen. Viel Erfahrung und Kondition sind nötig – und natürlich bestes Bergwetter. Mehr als 100 Menschen haben am Watzmann schon ihr Leben verloren. Der Berg ist ein Mythos und sagenumwoben, der Liedermacher Wolfgang Ambros setzte ihm einst ein musikalisches Denkmal („Der Watzmann ruft“). Vor Urzeiten soll der Watzmann ein grausamer König gewesen sein, der alle in Angst und Schrecken versetzte. Zur Strafe wurde er in Stein verwandelt, mitsamt seiner Familie. So heißt der höchste Gipfel Großer Watzmann (2713 Meter), der zweithöchste Watzmannfrau (2307 Meter), zwischen den beiden befinden sich die Häupter ihrer Kinder. Majestätisch überragen die Watzmanns auf ihrem Alpenthron den Talkessel. In dem liegt Berchtesgaden, der Hauptort der Region. Salz machte das kleine Alpenreich früh wohlhabend. 1810 wurde es Teil des Königreichs Bayern und breitete sich mit prunkvollen Villen und Ferienresidenzen aus.
Später entdeckte Adolf Hitler den Landstrich für sich. Auf dem Obersalzberg entstand ein Führersperrgebiet mit einer Vielzahl von Bauten. Ein schwieriges Erbe, an das ein Dokumentationszentrum erinnert. Auf dem Kehlstein errichteten die Nazis zudem ein Gästehaus, in dem sich heute ein Berggasthof befindet. Eine spektakulär steile Bergstraße führt dort hinauf. Der Blick hinüber zu den Gipfeln und hinunter zum Königssee ist eine Wucht.
Formidables Landschaftskino: die Rossfeld-Panoramastraße
Kehlsteinhaus, Königssee, Watzmann – das sind die Höhepunkte im Berchtesgadener Land. Jenseits der großen Besucherziele wird es jedoch bald wieder ruhig. Es ist eine dörfliche Welt mit den fünf kleinen Gemeinden Marktschellenberg, Bischofswiesen, Schönau, Ramsau und Berchtesgaden. Traditionen, Brauchtum und alte Handwerkskunst wie die Schachtelmalerei spielen eine große Rolle. Familie Geistlinger ist dort seit sechs Generationen zu Hause. Sie betreibt ein kleines Sägewerk in Oberau, (...)
Jetzt die Zeitschrift daheim abonnieren und den gesamten Artikel lesen...







