Semperoper: Vorhang Auf!
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Dresdens Semperoper ist selbst der größte Star.
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Wenn es Abend wird in der Dresdner Altstadt, strömen festlich gekleidete Paare und Grüppchen über den Theaterplatz. Sie streben jenem frei stehenden Rundbau entgegen, der sich triumphal und in goldenem Licht schimmernd über dem Platz am Elbufer erhebt: der Semperoper. Der Bau im Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt wird von Fachmagazinen und Architekturexperten zu den schönsten Opernhäusern der Welt gezählt, und befindet sich damit in Gesellschaft der Scala in Mailand und des Palais Garnier in Paris. Die Semperoper gleicht einer Ouvertüre, einem jener kurzen Stücke, die vor Opern zum Auftakt gespielt werden, Melodien des folgenden Stückes enthalten und so die Vorfreude auf den Abend steigern. Die Semperoper ist eine Ouvertüre aus Stein, Stuck und Farben.
Wer vor Schauspiel und Musik von Weltrang also meisterliche Baukunst erleben möchte, sollte sich am Abend bereits lange vor dem ersten Läuten in der Semperoper einfinden – oder sie tagsüber besuchen, wenn verschiedene Führungen durch das Gebäude stattfinden. „Willkommen! Wir starten unsere Tour an dem Punkt, den auch die Abendgäste als Erstes sehen“, sagt eine der Hausführerinnen, die ihre Gruppe an der Garderobe begrüßt hat und sie nun im Eingangsfoyer zu einer schneeweißen Treppe mit samtrotem Teppich führt. Die Dame deutet auf die holzvertäfelte Wand, die – wie sie verrät – gar nicht aus Holz besteht. „Jede Maserung ist in Wirklichkeit ein Pinselstrich.“ Das 1841 fertiggestellte Vorgängergebäude war 1869 bei einem Brand zerstört worden, weshalb sich der Baumeister, Gottfried Semper, beim zweiten Bau für diese Brandschutzmaßnahme entschied: Stuckgips wurde mit einem Gemisch aus Farbpulver, Öl und Schwarzbier lackiert, wodurch die Wände wie dunkles Eichenholz wirken.
In den Gängen lotst die Führerin ihre Gruppe an Reinigungstrupps und an zwei Restauratoren vorbei, die gerade eine der goldenen Messingtüren mit Reinigungsmittel und Schwamm von jahrealter Patina befreien. „Die Oper in Schuss zu halten, ist eine Sisyphusarbeit“, sagt sie. Das Haus beschäftigt zudem ein Heer an Schneidern, Hutmachern, Schreinern und Bühnenbildnern – Männer und Frauen, die gemeinsam dafür sorgen, dass sich dieses einmalige Baudenkmal bis heute als Spielstätte erleben lässt.
Die Eröffnung des zweiten Baus feierten der sächsische König und sein Volk am 2. Februar 1878 mit Carl Maria von Webers „Jubelouvertüre“ und Goethes „Iphigenie auf Tauris“. Für die Bauarbeiten hatte Gottfried Semper seinen Sohn Manfred nach Dresden geschickt. Getreu den väterlichen Plänen ließ dieser für die Fassade Sandstein aus der Sächsischen Schweiz herankarren, dem berühmten Mittelgebirge vor den Toren der Stadt. In den Vestibülen, den Vorhallen des Opernsaals, sieht es aus, als ob die Handwerker feinsten italienischen Marmor verbaut hätten.
Theater im Theater – alles ist vorzügliche Täuschung
Die glänzenden Säulen, die das Dach stützen, sind in Wirklichkeit gemauert, Ziegelsteine bilden (...)
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