Trier, das Rom an der Mosel
Nirgendwo nördlich der Alpen gibt es noch so viele Spuren der alten Römer wie in dieser Stadt an der Mosel.
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Mit der Römerbrücke, der Porta Nigra, dem Amphitheater, den Barbara- und Kaiserthermen sowie der Konstantinbasilika besitzt Trier Baudenkmäler aus einer Zeit, als der Nordwesten des Römischen Reichs von hier aus regiert wurde. Im Jahr 17 vor Christus unter Kaiser Augustus gegründet, gilt Trier als älteste Stadt Deutschlands. Bereits vorher legte sich in der Region Julius Caesar mit dem Stamm der Treverer an, den Namensgebern von Trier. Unter der Herrschaft von Konstantin dem Großen im 4. Jahrhundert blühte die Stadt, in der seit Juni 2025 der römische Kaiser und Feldherr Marc Aurel gastiert.
Man sollte ihm seine Aufwartung machen – im Rheinischen Landesmuseum und im Simeonstift, wo die Landesausstellung über ihn noch bis zum 23. November zu einer Zeitreise ins zweite Jahrhundert einlädt. Als Philosoph und guter Herrscher gilt Marc Aurel als eine Ausnahmeerscheinung der Antike.
Danach ist man durch und durch romanisiert und mittendrin im Thema. Man riecht im Amphitheater förmlich die Angst und den Schweiß der Gladiatoren, spürt die aufgeheizte Atmosphäre der Spiele, die beste Unterhaltung boten. Durchaus möglich ist, dass einer der Kämpfer auftaucht – in voller Montur. Dargestellt von einem Schauspieler, der Einblicke in das Leben dieser Männer gibt. Bei den Barbarathermen, dem damals größten Wellness-Tempel außerhalb Roms, bekommt man direkt Lust, sich ins (nicht mehr vorhandene) beheizbare Schwimmbecken zu stürzen.
Unter Kaiser Konstantin begann die Christianisierung. Die Konstantinbasilika, ehemals Audienzhalle des Kaisers, wurde Bischofsresidenz. Seit 1856 ist
sie „auf ewige Zeiten“ Gotteshaus der evangelischen Gemeinde. Die völlig schmucklose Saalkirche überrascht nicht nur optisch. Zahlreiche Konzerte belegen: Ihre Akustik hat überirdische Qualität. Im spätantiken Dom – wie die mittelalterliche Liebfrauenkirche und die römischen Bauten Unesco-Welterbe – kann man hingegen auf Tiersuche gehen. Steinerne Füchse und Fische, Schlangen und Mäuse verstecken sich dort.
Auf dem Hauptmarkt ist (fast) immer was los
Das Mosellied und andere Melodien, gebimmelt von 14 Glocken, läuten dem Besucher den Weg ins bürgerliche Trier. Auf dem Hauptmarkt mit dem spätgotischen Fest- und Empfangsgebäude Steipe befindet sich neben dem Roten Haus ein Glockenspiel, das stündlich klingt und klongt. Hier, im Wohnzimmer der Stadt, wetteifern die Bürgerhäuser mit Madonnen, goldenen Sternen und Rittern um den prächtigsten Fassadenschmuck. Zahlreiche Restaurants und Cafés beleben den Platz, auf dem zwischen März und Anfang November Winzer von Mosel, Saar und Ruwer an einem Stand ihre Weine ausschenken. Ein
beliebter und belebter Treffpunkt für Fachsimpler und Genießer. Danach, von 21. November bis 22. Dezember, lädt hier der Weihnachtsmarkt vor romantischer Kulisse zum Bummeln ein.
Beim Streifzug durch die Stadt kann es passieren, dass man sich plötzlich beobachtet fühlt. Aus fünf Metern Höhe schaut der Visionär und Revolutionär Karl Marx auf das Treiben seiner Geburtsstadt, in der er die ersten 17 Jahre seines Lebens verbrachte. Trier hat dem berühmten Sohn ein Denkmal sowie ein Museum in seinem Geburtshaus errichtet, in dem seine Gedanken und Theorien anschaulich vermittelt werden.
„Empöre dich nicht über Dinge, die du nicht ändern kannst“, würde ihm der andere Philosoph zurufen, wenn die beiden nicht fast 1700 Jahr trennten. Genug Gesprächsstoff hätten Marc und Marx sicherlich gehabt.





