Zwerge: klein, aber oho!
Zwerge sind keine Einzelgänger. Die kleinwüchsigen Sagengestalten ziehen als Volk durch Mythen, Märchen und Jahrhunderte.
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Die bekanntesten ihrer Spezies tummeln sich in Vorgärten und gehen dort emsig, bunt und fröhlich ganz verschiedenen Tätigkeiten nach. Das unterscheidet Gartenzwerge von ihren fernen Vorfahren aus der nordischen und germanischen Mythologie, die unter der Erde leben, meist in Gebirgen. Dort treten die geselligen, menschenhnlichen Zwerge als tüchtige Bergleute und kunstvolle Schmiede in Erscheinung, die Schwerter für Helden herstellen. Außerdem hüten sie in unterirdischen Palästen Hallen voller Schätze – wie Alberich, der König eines Zwergenvolks, den Nibelungenhort.
Im Volksglauben wird das Wesen der Zwerge ambivalent beschrieben. Häufig sind sie hilfsbereit, freundlich und fleißig, sie gelten aber auch als listig, misstrauisch, gehässig (Giftzwerg), habgierig und zauberkundig. Als Formwandler können sie ihre Gestalt ändern, eine Tarnkappe lässt sie unsichtbar werden. Sie sind stark und lassen sich oft nur bezwingen, indem man sie am Bart packt. Siegfried aus Wagners Nibelungen-Oper kennt diesen Trick.
Zwerge spielen auch in den Grimm-Märchen eine Rolle
Im Mittelalter schlichen sich die Zwerge mit Prunk und Glanz in die höfische Dichtung. Während der frühen Neuzeit wurden sie von der Kirche als gefallene Engel diabolisiert. Im 18. Jahrhundert verewigten die Brüder Grimm sie in ihren Märchen. Auf dieser langen Reise durch die Jahrhunderte nahmen Zwerge ihre heutige Gestalt an: kleinwüchsig, stämmig, langbärtig, zipfelbemützt und alt wie der Wald.
Kinder kennen sie als liebenswerte und hilfsbereite Bergleute in „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Undankbar und unfreundlich ist hingegen der Kollege in „Schneeweißchen und Rosenrot“, gierig und hinterlistig das „Rumpelstilzchen“. Hin und wieder verschwimmen nun auch die Grenzen zwischen Zwergen, Kobolden, Trollen, Wichteln und Heinzelmännchen. 1958 „verkleideten“ sie sich – zuerst in Comics – als lustige blaue Schlümpfe. Doch in den 1930er-Jahren tauchte wieder ein Zwergenvolk auf, das direkt aus der Heldenepik der nordischen Mythologie zu kommen schien, aber nach Mittelerde ausgewandert war, um die Hobbits durch die gefährlichen Abenteuer in den Fantasyromanen von J. R. R. Tolkien zu begleiten. Die unmittelbaren Vorfahren der Gartenzwerge sind übrigens Marmor- und Sandsteinskulpturen in barocken Gärten wie dem im baden-württembergischen Weikersheim, die allerdings eher grotesken Hofzwergen ähnelten als ihren gesellig gärtnernden, grabenden oder faulenzenden Urenkeln.






