Was ist eigentlich... Christbaumloben?
Jahr für Jahr wird er mit Bedacht ausgewählt, liebevoll geschmückt und dann bei einem geselligen Brauch über die Maßen gelobt – ganz gleich, wie er aussieht.
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Welch Augenweide!“ „Ein äußerst hübsches Glanzstück!“, klingt es durch den Raum. In dessen Mitte thront das Objekt der Begeisterung: eine zu klein geratene Tanne.
Ihre ungleich verteilten Äste sind mit Lametta beladen, auf der krummen, mickrigen Spitze sitzt ein kitschiger Engel. Nein, ein stilvoll dekoriertes Exemplar sieht anders aus. Leiden die Umstehenden etwa unter einer Wahrnehmungsstörung? Wahrscheinlicher ist, dass sie Schnaps wollen.
Beim sogenannten Christbaumloben besuchen sich Gruppen aus Familie, Freunden, Nachbarn oder Kollegen untereinander – unter dem Vorwand, das gute Stück zu bestaunen. Dabei gilt es, um Himmels willen nicht ehrlich zu sein. Kein Weihnachtsbaum wird diskriminiert, jeder geradezu mit Komplimenten überschüttet. Übertreibungen erwünscht. Zum Dank dafür schenkt der Gastgeber Hochprozentiges aus, traditionell Obstler. Dieser und vor allem das gesellige Beisammensein dürften die wahren Anreize für das Ritual sein: Es bietet vielen einen willkommenen Anlass zum Austausch. In dem sozialen Miteinander soll auch der Ursprung des Brauchs liegen, der sich Ende des 19. Jahrhunderts besonders in ländlichen Teilen Baden-Württembergs und Bayerns entwickelte. Mittlerweile hat er auch in anderen Regionen an Beliebtheit gewonnen, etwa im Osnabrücker Land.
Lustige Lobeshymnen und ausgelassene Abende
Die zwanglosen Zeremonien finden erst statt, wenn Weihnachten (fast) vorüber ist, zwischen dem 26. Dezember und Anfang Januar. Mitunter fallen die Lobeshymnen kreativ bis rigoros aus. Sie können einem Exemplar rein gar nichts abgewinnen? Rücken Sie offensichtliche Mängel in ein gutes Licht: Hat der kahle Baum mehr Nadeln als der Gastgeber Haare? Spart das Pieksen der Nadeln die Akupunktur? Verdeckt die Tanne das hässliche Mobiliar?
Mit jedem Schnaps fallen die Schmeicheleien leichter, und die Stimmung wird ausgelassener. Wem ohne (oder mit) Obstler nichts einfällt, der stimmt einfach „O Tannenbaum!“ an.





