Dossier Garten

Autor: Julie Lane-Gay

Gärtnern für Anfänger

Ganz gleich, ob Sie gern Gemüse säen und reiche Ernte einfahren oder ob Ihnen die Vorstellung von Gartenarbeit möglicherweise sogar Angst macht – dieses Frühjahr können Sie einen Neuanfang wagen.
Eine junge Frau in Latzhose hält eine Holzkiste mit Gemüse in den Händen

©

©iStockphoto.com / Jacob Wackerhausen

Der Anbau von Blumen, Gemüse oder Kräutern muss nicht kompliziert sein oder den ganzen Samstag in Anspruch nehmen. Hier ist ein kurzer Leitfaden, wie Sie Ihren Aufwand minimieren und Ihre Freude maximieren können.

Wie soll ich bloß anfangen?
Als ich meinen jetzigen Garten übernahm, verfügte ich über eine wunderbare freie Fläche, aber die Beete sahen kahl aus. Um sofort ein Gefühl von „Präsenz“ zu schaffen, pflanzte ich einige Duftpelargonien, auch Duft­geranien genannt. Diese buschigen Pflanzen sind ein guter Anfang, da sie in vielen Böden schnell wachsen, ohne dass man ihnen viel Aufmerksamkeit schenken muss. Es gibt sie mit Blättern in unterschiedlichen Farben, Formen und Größen.
Im ersten Frühjahr und Sommer verteilte ich sie in Töpfen überall im Garten – um meine neu gepflanzten, aber noch mickrigen Sträucher herum und als temporäre Hecke. Und das Beste ist, dass diese Gewächse – wie der Name schon sagt – einen herrlichen Duft verströmen. Die verschiedenen Arten riechen nach Zitrone, Rose, Aprikose, Ingwer, Schokolade und vielem mehr.
Die Gärtnerei Sandy Mush Herb Nursery in North Carolina, USA, züchtet und vertreibt 90 Sorten. „Duftgeranien eignen sich hervorragend für die Bepflanzung zusammen mit Gemüse“, erklärt die Gärtnerin Kate Jayne. Sie wachsen schnell, halten Schädlinge fern und ziehen Bienen an. Zudem macht ihr Duft das Unkrautjäten zum Vergnügen. Da die Geranien keinen Frost vertragen, stellt Jayne im November die Töpfe ins Haus, um ihren Duft im Winter zu genießen. Im April kommen sie wieder ins Freie.

Auf kleinem Raum anbauen
Ob Sie nun roten Mangold und Tulpen zusammen in einem Tontopf vor der Haustür pflanzen oder Lauchstangen zwischen Geranienpolster in ein Blumenbeet – Gemüse, Obst, Blumen und Kräuter werden oft kombiniert. Die Methode ist platzsparend und kommt den Gewächsen zugute. Denn bestimmte Zierblumen lenken Ungeziefer von den Gemüsepflanzen ab und locken gleichzeitig Bestäuber an. Blau blühender Rosmarin in der Nähe von Möhren funktioniert gut, weil das Kraut den Geruch der Möhren überdeckt und Schädlinge es so schwerer haben, die Karotten zu finden. Außerdem locken die Blüten Bienen an. Manche Gärtner pflanzen Frühlingszwiebeln zwischen Stiefmütterchen, um Mäuse und Rehe fernzuhalten.
Im vergangenen Sommer fiel mir bei einem Spaziergang ein Kübel auf, in dessen Mitte eine Kirschtomatenpflanze stand, umgeben von Ringel­blumen und einer strahlend weißen Cosmea (Schmuckkörbchen). Optisch eine ansprechende Kombination: Die dunkelgrünen Blätter der Tomate bildeten einen schönen Kontrast zu den farnartigen Blättern der Cosmea, während die Ringelblumen diesen beiden Pflanzen einen tollen Rahmen gaben. Aber die Blumen hatten noch eine andere Aufgabe: Sie lockten die Blattläuse von meinen Tomaten weg. Als i-Tüpfelchen rundete überhängendes Steinkraut das Bild ab. Steinkraut blüht nicht nur vom Frühjahr bis in den Herbst hinein, sondern zieht auch Marienkäfer und Schwebfliegen an, zwei Insekten, die lästige Blattläuse fressen. Eine Win-win-Situation.


Kräuter ziehen
Als eine Freundin frische Kräuter in ihrer Küche haben wollte, pflanzte ich ihr einige in einen 15 mal 36 Zentimeter großen Blumenkasten aus Kunststoff, den sie auf ihre sonnige Fensterbank stellte. Ich füllte den Kasten – der Löcher haben muss, damit das Gießwasser abfließen kann – mit etwa zehn Zentimeter Blumenerde und mischte dann zwei Esslöffel Langzeitdünger-Pellets hinein. Nachdem ich die Wurzeln der kleinen Thymian-, Rosmarin- und Schnittlauchpflänzchen gelockert hatte, pflanzte ich sie dicht an dicht ein. Oregano, Petersilie und Koriander funktionieren genauso gut. Die Zwischenräume füllte ich mit Erde auf und riet ihr, alle vier Tage zu gießen, idealerweise mit etwas Flüssigdünger, und darauf zu achten, dass das überschüssige Wasser unten herausläuft. Im Sommer sollte sie den Kasten ins Freie stellen. Sie war von ihren frischen Kräutern begeistert, und auch nach drei Jahren ist ihr Garten auf der Fensterbank immer noch eine Pracht.
Einen weiteren schnellen Erfolg für Ihren Indoor-Garten versprechen sogenannte Microgreens: sehr junge Sprossen und Keimlinge. Sie schmecken gut in Rührei, Salaten, Smoothies und sind bis zu dreimal so nährstoffreich wie die reifen Blätter. Radieschen, Brokkoli, Hülsenfrüchte und Blatt­gemüse wie Spinat, Mangold oder Rucola eignen sich ideal.
Amy Pennington, Autorin von Tiny Space Gardening (Gärtnern auf kleinstem Raum), verwendet für den Anbau von Microgreens eine flache Schale. Sie nimmt gute Anzuchterde und gibt gerade so viel hinein, dass sie mit der Oberkante bündig abschließt. Pennington rät, die Samen großzügig auf die Erdmischung zu streuen. Danach die Erde mit den Samen mit einer Sprühflasche besprühen, bis die Oberfläche mit Wasser gesättigt ist.
Die Schale dann locker mit Frischhaltefolie abdecken, um die Feuchtigkeit zu halten, Licht hindurchzulassen und etwas Wärme zu erzeugen. Stellen Sie das Gefäß auf eine Fensterbank und halten Sie die Mischung feucht. Entfernen Sie die Folie, sobald sich die ersten Keimlinge zeigen. Warten Sie mit dem Ernten, bis die Sprossen 2,5 bis fünf Zentimeter gewachsen sind und zwei Blattpaare haben.
Mit einer Küchenschere schneidet Pennington die Sprossen so nah wie möglich an der Erde ab, wobei sie nur so viel erntet, wie sie an dem jeweiligen Tag benötigt. Nach dem Waschen und Trocknen bewahrt sie die überschüssige Menge zwischen zwei Lagen Küchenpapier im Kühlschrank auf. Die meisten Gärtner ernten zwei- bis dreimal pro Aussaat von Microgreens und säen dann erneut aus.


Eigenes Gemüse ziehen
Grünes Pflückgemüse wie Kopfsalat, Grünkohl, Mangold, Rucola, Spinat, Endivie und selbst Brokkoli sind weitere Möglichkeiten, mit wenig Aufwand zu Hause Gemüse anzubauen. Ich säe etwa drei bis vier Samen in enge Reihen von 2,5 Zentimetern oder acht bis zehn Samen pro acht Quadrat­zenti­meter. Vier bis fünf Wochen später kann ich ernten. Die Pflück­methode eignet sich am besten, um auf kleinstem Raum und in kürzester Zeit Gemüse zu ziehen.
Sie können das Gemüse in einer Saatgutmischung (wie ich) oder einzeln aussäen. Beginnen Sie zeitig im Frühjahr, wenn die großblumigen Narzissen blühen. Dazu die Samen großzügig und locker auf feuchter, frischer Blumenerde verteilen. Diese mit rund einem halben Zentimeter Erde ab­­decken und mit der Hand andrücken. Vorsichtig mit Wasser besprühen und darauf achten, dass die Erde nicht austrocknet.
Nach dem Ernten das Pflückgemüse waschen, trocknen und einige Stunden in den Kühlschrank legen, damit es schön knackig bleibt. Lindsay Del Carlo, Leiterin des Versuchsgartens des Saatgutunternehmens Renee’s Garden in Kalifornien, USA, ist Fan von fran­zösischen Blatt­salatmischungen, auch Mesclun genannt. Sie keimen schnell, treiben oft drei- bis viermal aus. Mit einer Balsamico-Vinaigrette schmecken sie einfach köstlich.
Del Carlo empfiehlt, mit dem Schneiden zu warten, bis die Blätter zehn bis 15 Zentimeter hoch sind. Ernten Sie nur so viel, wie Sie an einem Tag verzehren. Dabei schneiden Sie einen Teil der jungen Blätter etwa 2,5 bis fünf Zentimeter über dem Boden ab. Zu Del Carlos Lieblingsgemüsen, die sie mit dieser Methode anbaut, gehören Chinesischer Brokkoli (Kailan) und Rapini, ein Blattgemüse aus Italien, das an Rübstiel erinnert.


Kein Platz für große Pflanzen?
Ich liebe den Geschmack eigener Erdbeeren und Zucchini, aber ich habe keine Lust, den sonnigen Platz auf unserer Terrasse mit großen Töpfen vollzustellen und wuchernde Pflanzen abzustützen, wenn die Früchte zu schwer werden. Deshalb bin ich Fan von Zwergsorten geworden. Samen und Setzlinge solcher kleinwüchsiger Pflanzen erhalten Sie in Gärtnereien oder können Sie auch online bestellen. Die Himbeersorte Sweet Little Sister beispielsweise ist dornenlos, wächst gut in einem Pflanzenkübel, wird nur etwa 100 Zentimeter hoch und braucht keine Rankhilfe. Bis in den Spätsommer können Sie von ihren köstlichen roten Beeren naschen. Busch- und Wild­tomaten kommen ohne Rankhilfe aus, es gibt sowohl Sorten mit kleinen Früchten (Cocktailtomaten) als auch welche mit größeren Exemplaren. Für den aus­ladenden Wuchs einer Zucchinipflanze wird nomalerweise viel Platz benötigt. Wenn Sie den nicht haben, können Sie zu Sorten wie Piccolo oder Sunburst greifen. Sie lassen sich leicht zu Hause in einem Topf ziehen und schmecken sehr gut.

Garten mit wenig Sonne
Bei weniger als sechs Stunden Sonnenlicht pro Tag empfiehlt Pennington den Anbau von Zuckererbsen. „Da diese Pflanzen kühlere Temperaturen ver­tragen, brauchen sie nicht allzu viel Sonne, um zu wachsen. Und obwohl sie dann vielleicht nicht ganz so süß werden wie bei voller Sonne, sind sie doch sehr lecker“, sagt sie. Andere Gemüsesorten, die etwas Schatten ver­tragen oder nur mit Morgensonne auskommen, sind Mangold, Rucola, Lauch und Radieschen.


Erste Schritte: Ein Leitfaden für Anfänger

Was soll ich pflanzen?
Beginnen Sie damit, folgende Fragen abzuklären: Wie viel Sonne bekommt mein Garten? Ist der Boden sandig oder lehmig? Wählen Sie Pflanzen, die für diese Bedingungen geeignet sind. Mit­arbeiter in den örtlichen Gärtnereien helfen Ihnen gern weiter. Nehmen Sie eine kleine Tüte mit Ihrer Erde mit, dann fällt die Bodenbestimmung leichter.
Ich habe festgestellt, dass Pflanzen gut gedeihen, wenn ich ihnen die Sonnen- oder Schattenplätze biete, die sie brauchen, und den Boden, den sie bevorzugen. Ich erkundige mich über die Pflanzen, bevor ich sie kaufe. Und ich pflanze grundsätzlich keine Kakteen in nasse Böden oder Farne in die pralle Sonne, egal, wie gut sie an dem Ort aussehen würden.

Wann wird gegossen?
Sie können einen Feuchtigkeitsmesser kaufen, aber nur wenige Hilfsmittel sind genauer als ein Finger, den wir in die Erde stecken. Klebt Erde an
Ihrem Finger? Oder ist er staubig, als habe er in Sand gesteckt? Wenn Letzteres der Fall ist, wird es Zeit zum Gießen.
Ein weiterer Test besteht darin, eine Handvoll Erde mit den Fingerspitzen leicht zusammenzudrücken. Die Erde sollte einen leichten Abdruck Ihrer Finger zeigen. Doch wenn die Erde durch die Finger tropft, ist sie zu nass. Warten Sie dann ein oder zwei Tage mit dem Gießen, bis die Wurzeln das überschüssige Wasser aufgenommen haben.

Wie wird gegossen?
Gießen Sie so viel, dass das Wasser langsam, aber stetig aus den Löchern im Topfboden fließt. Wenn das Wasser sofort wieder aus den Löchern herausfließt, ist das ein Zeichen dafür, dass der Boden noch nicht gesättigt ist. Wenn das Wasser langsam und gleichmäßig abfließt, haben Sie genug gegossen. Blätter, die zu wenig Wasser erhalten, vertrocknen und fallen ab, ebenso wie bei zu viel Wasser.

Wie düngt man?
Es gibt trockene Lang­zeitdünger und flüssige Schnelldünger. Bei Kübelpflanzen sollte beim Pflanzen ein Langzeitdünger beigemischt werden. Alle zwei bis vier Wochen mit Flüssigdünger gießen, damit die Pflanzen gut gedeihen. Beim Einpflanzen in den Boden reicht es, einmal im Frühjahr einen trockenen Langzeit­dünger zu verwenden.­